Samstag, 14. April 2018

Einige Stellenanzeigen:




Doch wieder Facebook?

Vor einigen Wochen hatte ich auf den verschiedenen Facebook-Seiten (FB) des Allgemeinen Pflanzenbaus / Ökologischen Landbaus und der Naturwissenschaftlichen Fakultät III der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine Pause der Aktivitäten verkündet. Ich habe schon seit geraumer Zeit zunehmendes Bauchgrimmen mit den diversen Praktiken von Facebook (und anderen, ähnlichen Diensten), aber konkreter Auslöser waren dann die Diskussionen um den mangelnden Datenschutz im Zusammenhang mit der Firma „Cambridge Analytica“. Der eigentliche Skandal ist hierbei nicht das Datenleck zu „Cambridge Analytica“, sondern das gesamte Geschäftsmodel von Facebook & Co. Bislang kaum Verbesserungen gegeben und, glaubt man den Aussagen von Mark Zuckerberg, wird dies auch noch einige Jahre (!) dauern. Die Erkenntnis ist wahrlich nicht neu und auch die Aktivitäten von „Cambridge Analytica“ sind seit langer Zeit bekannt. Das tatsächliche Ausmaß war aber doch ernüchternd. 

Die Erfahrung der letzten Wochen zeigt nun aber, dass ich ohne FB und mit der alleinigen Nutzung von Twitter oder Scoop.it (die hoffentlich hier etwas transparenter wären) kaum noch Studierende erreichen kann. Das ist bedauerlich, denn so können wir deutlich schwieriger in den Vorlesungen und Seminaren über aktuelle Themen sprechen. Gleichermaßen ärgerlich ist die Tatsache, dass ich für Stellenanzeigen und Angeboten zu Praktika keine Reichweite mehr erziele. 

Wenn ich diese beiden Argumente abwäge, komme ich zu dem Schluss, dass ich – vorerst - FB weiter nutzen werde. Dies ist verbunden mit einem deutlichen Hinweis auf die bekannten Probleme beim Datenschutz. Alle Nutzerinnen und Nutzer sollten nach meiner Meinung durch entsprechende Einstellungen FB möglichst am Sammeln von Daten hindern. Letztendlich ist es auch eine Möglichkeit die Meldungen in einer Timeline von FB ohne Account zu lesen. 

Darüber hinaus bin ich weiter auf der Suche nach praktikablen Alternativen der schnellen und unkomplizierten Kommunikation mit den Studierenden. Derzeit ist halt alles aufwändiger in der Nutzung und/oder die Reichweite ist sehr niedrig. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. 

OC

Sonntag, 19. Juni 2016

Markthalle 9 in Berlin - Landwirtschaft, Handwerk und Genuss


Ich mag Märkte. Wochenmärkte, Fischmärkte, unter Dach oder im Freien – egal. Dafür gibt es verschiedene Gründe.  Zum einen sind es sicher die Erinnerungen an die eigene Kindheit, die ja immer besonders wirkungsmächtig sind. Aufgewachsen in Hamburg-Bergedorf gab es bei uns dienstags und donnerstags einen Wochenmarkt. Die Bauern aus den Vier- und Marschland verkauften Ihre eigenen Produkte. Man kannte sich und kaufte über Jahrzehnte an den gleichen Ständen Obst, Gemüse Blumen manchmal auch Wurt oder Käse. Gesprochen wurde übrigens Plattdeutsch oder zumindest Missingsch – eine interessante Verbindung aus Platt – und Hochdeutsch. In der sicherlich verklärten Erinnerung erscheint alles heimelig und authentisch. Aber verlassen wir die Kindheitserinnerungen.

Heute besuche ich Märkte häufig im Urlaub aus zwei anderen Gründen. Zum einen bieten sich besonders in warmen Urlaubsgegenden mit einer entsprechenden Produktpalette farbenfrohe Fotomotive. Tropische Früchte haben einfach grandiose Farben. Zum anderen zeigen Märkte aber auch welche Spezialitäten vor Ort angeboten, zubereitet und konsumiert werden. Meist ist dies ein kulinarischer Spiegel der regionalen Landnutzung und der Besuch auf dem Markt wird darüber hinaus zu einem indirekten Blick in die Kochtöpfe einer Gegend. Produzenten sprechen direkt mit ihren Kunden, erläutern die Herkunft und geben, im besten Fall, Hinweise für die Zubereitung. Damit können Märkte wichtige Orte für Kommunikation, Austausch und Vertrauensbildung sein.

So kann das beispielsweise aussehen:
Cairns, Australien
Istanbul, Türkei

Florenz, Italien


Barcelona, Spanien

Toronto, Kanada

Sydney, Australien




Aber jetzt zu einem konkreten und aktuellen Beispiel, das die Dimension der anderen Märkte noch etwas erweitert. Die Markthalle 9 in Berlin. Hier findet sich in historischer Umgebung – das Konzept ist mehr als 120 Jahre alt – inzwischen eine Mischung von Anbietern der unterschiedlichsten Produkte. Brot und Pasta, Gemüse und Obst, Fleisch und Fisch, Tofu-Stand („Toffu-Tussis“) und Craft-Bier. Als spannende Erweiterung des klassischen Konzeptes wird in der Markthalle an einigen Ständen auch die Verarbeitung integriert. In einer gläsernen Bäckerei kann man beim Backen zuschauen und auch die Herstellung der Pasta ist in einer offenen Einrichtung sichtbar.

Eingang zur Markthalle 9, Berlin

Besonders faszinierend ist hier eine offene Metzgerei unter dem Namen „Kumpel und Keule“. Während Backen und Herstellung von Pasta wohl kaum negative Emotionen auslösen können, ist bei einer solcherart offenen Darstellung des Metzgerhandwerks schon eher eine kritische Auseinandersetzung denkbar, zumal die verschiedenen Schritte der Wurstherstellung oder das Zerteilen von Schlachtkörpern in unserem heutigen Leben nicht mehr präsent sind. Nach Aussage von Hendrik Haase (aka Wurstsack), einem der Initiatoren des Unternehmens, ist der offene Blick auf die Verarbeitung aber das ganz große Plus der Metzgerei. Immer wieder gibt es Fragen zu der Verarbeitung und der Herkunft, Haltung und Schlachtung der Tiere. Diese Fragen können dann direkt beantwortet werden. Daneben muss natürlich auch die Qualität stimmen, sonst ergibt sich ein schiefes Bild. Zumindest für den angebotenen Hamburger kann ich dies eindeutig bestätigen. Nach jahrzehntelangen Selbstversuchen (jaja) war der Hamburger von „Kumpel & Keule“ wirklich eine Offenbarung. Einige Fotos aus den Auslagen zeigen aber auch die Qualität der angebotenen Waren. Fleisch mit einer solchen Marmorierung muss man sonst lange suchen.  Wer etwas mehr in die Hintergründe für die Etablierung von „Kumpel & Keule“ einsteigen will, dem sei das Buch von Hendrik Haase „Crafted Meat“ empfohlen. Lesenswert und ein schön gestalteter Beitrag zur Esskultur. Mit dem Untertitel „Die neue Fleischkultur: Rezepte, Handwerk und Genuss“ werden verschiedenste Beispiele für dieses alte Handwerk beleuchtet.


Was bleibt: Ein interessanter Einblick in eine Kultur zwischen Landwirtschaft und Genuss verbunden über den direkten Kontakt zwischen Produzenten und Kunden mit Enthusiasmus, Emphase und einem humorvollen Augenzwinkern („Tofu Tussis“, „Kumpel & Keule“). Gerade Letzteres kommt heute oft viel zu kurz. Die verbindenden Elemente sind Authentizität und Ehrlichkeit in der Kommunikation und Qualität der Produkte. So kann es gehen.


Ist dies eine Lösung für die gesamte Landwirtschaft? Sicherlich kann man diese Frage getrost verneinen. Mengen und Handelsströme sowie die Einkaufs- und Konsumgewohnheiten der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung machen dies wohl unmöglich. Andererseits zeigen alle einschlägigen Untersuchungen, dass es in der Bevölkerung eine durchaus respektable Klientel gibt, die schon heute großes Interesse an der Herkunft, Verarbeitung und Qualität von Produkten haben. Deren Anteil ist größer als die klassische Gruppe der Bio-Konsumenten. Wenn über den Weg von solchen direkten Kontakten urbane Eliten angesprochen werden, kann es für alle beteiligten Gruppen vorteilhaft sein. Aber bevor ich mich wiederhole: Dabei geht es um Authentizität, Ehrlichkeit und Produktqualität. 


Hier noch die Links:
Markhalle 9
Mehr zu "Wurstsack"
Crafted Meat von Hendrik Haase
Kumpel & Keule in der Markthalle 9



















Donnerstag, 16. Juli 2015

14. Internationaler Rapskongress in Saskatoon, Kanada


Im Turnus von vier Jahren findet der Internationale Rapskongress ("International Rapeseed Congress", kurz IRC) statt. Ungewöhnlich ist der Fokus auf eine Kulturart - hier Raps - und der ganzen Bandbreite von der Züchtung, über die Anbautechnik und den Pflanzenschutz bis zur Tier- und Humanernährung einschließlich ökonomischer Aspekte. Aber auch die Umweltwirkungen und komplexe Bewertungen des Rapsanbaus werden thematisiert.

Mit insgesamt mehr als 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmern schon eine respektable Größe. Neben dem vierjährigen Tagungsrhythmus gibt es auch immer den Wechsel zwischen einem europäischen und einem außereuropäischem Tagungsort, was dann auch die beiden wesentlichen Rapsformen repräsentiert. In Europa geht es eher um den Winterraps, während in Kanada, China oder Australien der Sommerraps (engl. "Canola") im Fokus steht. In diesem Jahr also Saskatoon in der kanadischen Provinz Saskatchewan. Gleichwohl gab es natürlich auch viele Beiträge aus Europa zum Winterraps.

Der gesamte Tagungsband mit allen Zusammenfassungen ist online. Ich verzichte daher auf Einzelhinweise zu den Beiträgen und Personen.

Tagungseröffnung
Für die Perspektiven des Rapsanbaus sind die zukünftigen ökonomischen Rahmenbedingungen und Entwicklungen bei Konkurrenzkulturen – und –produkten von entscheidender Bedeutung. Wie hier in den nächsten Jahren die Situation einzuschätzen ist, stellte Folkhardt Isermeyer vom Thünen-Institut in Braunschweig vor. Das globale Wachstum bei Nachfrage und Produktion von pflanzlichen Ölen und Fetten in den letzten Jahrzehnten ist beeindruckend. Hierbei sind aber nicht nur Raps, sondern auch Soja und Ölpalmen zu nennenn. In Malaysia und Indonesien wird in den nächsten Jahren eine Verdopplung der Anbaufläche für Ölpalmen erwartet. Demzufolge besteht in Europa nun die Angst, dass durch verschärfte Umweltauflagen für Rapsproduzenten künftig keine Steigerung der Produktion mehr möglich ist, ja es sogar zu einem Rückgang der Nachfrage und dann auch der Anbaufläche kommen könnte. Hier sieht Folkhardt Isermeyer allerdings keinen Grund zur Sorge. Nach seiner Einschätzung sind die weltweiten Potentiale so groß, dass die dann vermehrte Nachfrage im Bereich der Food-Nutzung ausreichen würde. Besonderes Augenmerk sollte aber zukünftig auf die Konkurrenzfähigkeit von Rapsschrot gegenüber Sojaschrot gelegt werden. Wenn in der EU die Unterstützung für Biodiesel zurückgefahren wird, bekommt dies eine deutlich größere Relevanz für die Wettbewerbsfähigkeit des Rapsanbaus. Diese Botschaft ist auch eine wichtige Information für die Züchtung und die Anbautechnik, denn bislang stehen meist Ölmenge und Ölqualität allein im Vordergrund.

In diesem ökonomischen Umfeld einer insgesamt positiven Markteinschätzung sind nun alle nachfolgenden Facetten der Züchtung und Produktionstechnik einzuordnen.

Welche eindrucksvollen Fortschritte hier die Züchtungsforschung erzielt hat, belegen die Untersuchungen von Jose Jimenez-Berni vom CSIRO in Canberra, Australien. In einer Verbindung von molekularbiologischen Methoden mit bildgebenden Verfahren (engl. Phenotyping) können nun  schnell direkte Relationen zwischen morphologischen Eigenschaften wie Wachstum und Entwicklung von Sproß (und Wurzel !) mit den zugrundeliegenden genetischen Informationen in Verbindung gebracht werden. So ist in naher Zukunft mit deutlich schnelleren Zuchterfolgen bei Veränderungen der Bestandesarchitektur und der Lichtnutzung zu rechnen. Auch die Wassernutzungseffizienz von Raps lässt sich laut Jimenez-Berni sehr rasch verbessern. Für viele Anbausysteme in der Welt eine zentrale Zukunftsfrage.

Auf der Ebene des Genoms stellte Isobel Parkin vom Agriculture and Agri-Food aus Saskatoon, Kanada aktuelle Forschungsergebnisse vor. Hier haben die inzwischen sehr überschaubaren Kosten der Sequenzierung ermöglicht, den Einfluss von Evolution und Selektion genauer zu untersuchen. Besonders die Frage welche Folgen die Verdopplung der Genome auf die Merkmalsentwicklung hatte, läßt sich inzwischen recht gut einschätzen. So konnte Isobel Parkin nachweisen, dass einzelne Genomteile mehr, andere weniger beteiligt waren. Bei Raps eine besondere Herausforderung, da das Genom aus Anteilen von unterschiedlichen Arten zusammensetzt ist. Für Züchtungen ist dies eine wichtige Grundlage, da nun sehr gezielt eher in vielversprechenden Abschnitten der genetischen Information gearbeitet werden kann.

Dass China inzwischen nicht nur ein wichtiges Produktionsland von Raps darstellt, sondern auch in der Züchtung führende Forschungsprojekte durchführt, zeigten die Ausführungen von Hanzhong Wang vom Oil Crops Research Institute der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Wuhan. So berichtet Wang von Genotypen mit mehr als 60 Prozent Ölgehalt. Gleichzeitig ist es gelungen Genotypen mit multiplen Resistenzen gegenüber Phoma, Sclerotinia und Kohlhernie zu züchten, die gleichzeitig auch verbesserte Eigenschaften hinsichtlich abiotischem Stress (Trockenheit) aufweisen. Aktuell wird, so Wang, auch an Veränderungen der Pflanzenarchitektur bei ober- und unterirdischen Teilen gearbeitet, um die Effizienz der Licht- und Nährstoffnutzung zu verbessern.

Während also weltweit in der Forschung und teilweise auch im Anbau transgener Raps eine wichtige Position eingenommen hat, spielt dies in Europa keine Rolle. Aus kanadischer Sicht wird dieser Sachverhalt als maßgebliches Handelshemmnis gesehen. Wie hiermit zukünftig auch zur Sicherstellung von Exportmöglichkeiten umzugehen ist, diskutierten einige Referenten von CropLife aus dem kanadischen Ottawa. Danach wird derzeit hier an einem internationalen Rahmen gearbeitet, der besonders die Problematik der geringen Verunreinigungen von GVO-freien Partien mit GVO-Saat adressieren soll. Grenzwerte von 0,9 % sind in Gebieten mit überwiegendem Anteil von GVO-Sorten nicht einzuhalten. Ob solche Vorschläge aus Kanada allerdings dann in der EU auf entsprechende Gegenliebe stoßen, mit allem Respekt, ist wohl eher zu bezweifeln.

Eine Schattenseite des Erfolgs beim Rapsanbau in Kanada sind die zunehmenden Probleme in der Unkrautbekämpfung. So beschrieb Neil Harker (Agriculture and Agri-Food, Canada) mit welchen Schwierigkeiten hier die landwirtschaftliche Praxis zu kämpfen hat. Hierzu muss man wissen, dass in Kanada der Rapsanbau nahezu ausschließlich mit herbizidresistenten Sorten erfolgt. Entweder sind die transgene Sorten, die gegen Glyphosat (Round-Up ready), Glufosinat (Liberty Link) oder gegen Imazamox (Clearfield) resistent sind. Die beiden erstgenannten System sind GVOs. Durch die inzwischen langjährige Anwendung nicht nur aber auch im Raps, haben sich eine ganze Reihe resistenter Unkraut herausselektiert, die inzwischen nur noch schwer bekämpfbar sind. Ein wichtiger Grund ist dabei sicherlich, dass die gleichen Herbiziden Wirkstoffe auch in anderen Kulturen genutzt werden. Dadurch steigt der Selektionsdruck erheblich. Zudem gibt es in Kanada Rapsmonokulturen (was mir vorher auch unbekannt war). Hier wird zwar darauf hingewiesen, dass es sich um den „Fruchtwechsel“ Schnee – Canola – Schnee – Canola handelt, aber die Probleme mit Unkräutern und Schädlingen werden dadurch sicherlich nicht kleiner. Als Abhilfe empfiehlt Neil Harker nun längere Fruchtfolgen und auch eine gezielte Vernichtung von Unkrautsamen im Rapsstroh. So wird in Australien inzwischen das Stroh teilweise nicht mehr breit verteilt, sondern im Schwad abgelegt und anschließend angezündet. Bei uns sicherlich nicht praktikabel und schlicht und einfach verboten.

Besonders in europäischen Forschungsarbeiten wurden die möglichen Umweltwirkungen des Rapsanbaus thematisiert. Hier steht immer wieder die Frage der N-Verluste und die ungünstige N-Verwertung im Vordergrund. Dass hier ein großes Potential zur Verbesserung der N-Effizienz über die Züchtung besteht, zeigten Untersuchungen einer Arbeitsgruppe aus Gießen unter der Leitung von Rod Snowdon. Hier stellte Andreas Stahl einige sehr vielversprechende Ergebnisse von verschiedenen Screenings vor, die zeigten dass die N-Effizienz als Zuchtzielt durchaus lohend sein kann.

Hinsichtlich der Klimawirkungen gibt es hier noch sehr viel Forschungsbedarf. So zeigten Untersuchungen einer Arbeitsgruppe aus Kiel um Henning Kage, die von Thomas Räbiger vorgestellt wurden, dass den indirekten Lachgas-Emissionen aus Ammonium eine vergleichsweise große Bedeutung zukommt. Ein weiterer wichtiger Baustein, um die Lachgasemissionen von Raps besser zu quantifizieren und zukünftig auch weiter zu vermindern.

Insgesamt wurden auf der Tagung in Saskatoon allerdings vergleichsweise wenige Forschungsarbeiten vorgestellt, die neue Aspekte zu Umwelt- oder Klimawirkungen präsentierten. Auffallend war hierbei die Zielrichtung der wenigen kanadischen Arbeitsgruppen. Mit großer Phantasie wurden Ergebnisse bei Kohlenstoffanreicherung im Boden interpretiert, um - so anscheinend die Hoffnung -, die EU-Vorgaben zur Treibhausgasvermeidung zu erfüllen. Sicherlich ein Spezialthema und aus der Perspektive eines großen Exportlandes verständlich, aber hier sind zukünftig doch seriöse Ansätze zu erwarten. 

Krankheiten und Schädlingen des Rapses wurden auf der Tagung aus den Perspektiven der Züchtung, des Pflanzenschutzes und selbstverständlich auch bei vorbeugenden Maßnahmen berücksichtigt, wobei ich persönlich immer wieder erstaunt bin, dass in Nordamerika und auch in Australien der Aspekte vorbeugender Maßnahmen (Fruchtfolge, Saatzeit, Standortauswahl usw. usw.) nur vergleichsweise wenig diskutiert werden. Im Gegenteil; hier wird der integrierte Pflanzenschutz teilweise als Neuigkeit gepriesen.

Bei den Krankheiten standen Untersuchungen zu Phoma (Blackleg, Leptospaeria maculans), Kohlhernie (Clubroot, Plasmodiophora brassicae) und Sclerotinia (Stem Rot, Sclerotinia sclerotiorum) im Vordergrund. In fast allen wichtigen Rapsanbaugebieten der Welt sind diese Krankheiten bedeutsam und so gibt es vielfältige Ansätze zur Vorbeugung und Bekämpfung.

Aktuell größere Probleme gibt es bei der Bekämpfung von tierischen Schaderregern. Besonders die Einschränkungen in der Nutzung einiger Insektizide und Beizmittel haben hier die Situation deutlich verschärft. Obwohl, so ein umfangreicher Beitrag von Udo Heimbach vom JKI in Braunschweig, von der Beizung nach wissenschaftlicher Kenntnis keinerlei Gefährdung ausgeht. Wie einer Mischung von verschiedenen Maßnahmen - von der Prävention, über eine biologische Bekämpfung bis zum Einsatz von Insektiziden – eine Verminderung der Schäden möglich ist, zeigte Sam Cook von der Forschungsstation aus dem englischen Rothamstedt. Er wies aber auch darauf hin, dass gerade beim Verständnis von Räuber-Beute-Beziehungen noch beträchtlicher Forschungsbedarf besteht.


Abschließend noch der Hinweis auf ein – aus meiner Perspektive – sehr ungewöhnliches Forschungsvorhaben aus Australien. Eine Arbeitsgruppe vom CSIRO aus Canberra unter der Leitung von John Kirkegaard und Julianne Lilley berichtet vom Winterrapsanbau in Australien für eine Doppelnutzung. Hierzu werden europäische Winterrapssorten in den kühleren und regenreichen Regionen im südlichen Australien bereits im Herbst gesät. Die Entwicklung im vergleichsweise milden australischen Winter erlaubt dann eine mehrfache Beweidung durch Schafe. Voraussetzung ist allerdings, dass der Vegetationskegel nicht verbissen wird. Hierzu sind entsprechende Sorten mit besonders tief liegenden Organen notwendig. Wenn dies gewährleistet ist, leidet der Raps kaum unter der Beweidung und liefert dann durchaus noch gute Erträge. Je nach Jahr und Bedingungen wurden in den Versuchen bis zu 4.5 t/ha geerntet. Und die Schafe waren auch gut genährt. Ein interessantes Beispiel für moderne Entwicklungen bei Gemischtbetrieben.

Beim nächsten Rapskongress hat die hiesige "Rapscommunity" dann die Möglichkeit auch in der Organisation und inhaltlichen Ausrichtung Akzente zu setzen. 2019 wird Berlin Tagungsort sein.

OC

Zuletzt:
Das vollständige Programm des Kongresses:
Wie der Rapsanbau im kanadischen Bundesstaat Saskatchewan aussieht ist hier beschrieben
Noch einige Impressionen vom Rapsanbau in den Provinzen Alberta und Saskatchewan

Zum guten Schluss noch ein Bild aus dem "Western Development Museum", das wir im Rahmen der Tagung besuchen konnten. Bodenschadverdichtungen wird dann aber Inhalt des übernächsten Tagungsberichtes sein, wenn von der Fachtagung im chinesischen Nanking zu berichten sein wird.


Samstag, 22. November 2014

Tauchgänge in die Wissenschaft

Das Verhältnis zwischen Landwirtschaft und Öffentlichkeit gilt gemeinhin als - na sagen wir es vorsichtig - etwas gespannt und ist von einem gegenseitigen Unverständnis geprägt. Ich hatte dies ja auch an dieser Stelle schon ab und an thematisiert. Aus der Perspektive der Landwirtschaft gibt es hier im wesentlichen zwei gesellschaftliche Gruppen, die für "Desinformation" verantwortlich sein sollen: Lehrer und Journalisten. 

Ob dies nun wirklich so zutrifft, lassen wir einmal offen. Ich denke, dass es sich die Beteiligten hier etwas einfach machen, aber seis drum. In jedem Fall ist gegenseitige Information und eine sachliche Diskussion der unterschiedlichen Perspektiven immer sinnvoll. 

Auf der Ebene der Journalistinnen, Journalisten und Agrarwissenschaft (was nicht mit Landwirtschaft gleichzusetzen ist) durfte ich gestern an einer sehr interessanten Veranstaltung in Braunschweig teilnehmen. Unter dem Titel "Tauchgänge in die Wissenschaft" bietet eine gemeinsame Initiative der Leopoldina und der Robert-Bosch-Stiftung einer kleinen Anzahl von Journalistinnen (ich verzichte jetzt mal auf Gendermainstreaming) ein umfangreiches Programm aus sehr unterschiedlichen Bereichen der agrarwissenschaftlichen Forschung. 




Ich hatte selbst Gelegenheit einen kleinen Vortrag zu halten und anschließend wurde dann umfangreich diskutiert. Das war wirklich hervorragend, denn gerade die Diskussionsmöglichkeiten - so meine Erfahrung - kommen bei dem Austausch zwischen Wissenschaft und Medien häufig zu kurz. Im direkten Austausch jenseits von Facebook, Twitter und Co gab es dann sehr gute und gezielte Fragen (und hoffentlich auch gute Antworten, aber das müssen andere entscheiden). Das Format der direkten Diskussion ist m.E. auch deutlich besser geeignet, als die bunte neue Welt der sozialen Medien, denn so bleibt der Ton freundlich und respektvoll, was besonders bei FB oder den Kommentarseiten der Medien oft nicht der Fall ist. 

Eins wurde bei der Veranstaltung deutlich: Wir - hier meine ich jetzt die Wissenschaftler - müssen noch viel intensiver und verständlicher erklären. Eine Pressemitteilung ab und an reicht nicht aus. Die Bringschuld der Wissenschaft gegenüber den Medien und damit der Öffentlichkeit ist viel zu groß. Dies müssen wir ernst nehmen und versuchen unsere Forschung noch besser und verständlicher zu erklären. Wenn uns das nicht auf der Ebene Wissenschaft - Medien gelingt, müssen wir uns wirklich nicht wundern, dass einige Themen - aus Sicht der Wissenschaft - unzureichend dargestellt werden. Daneben gibt es sicherlich eine Verantwortung auf der Seite der Journalistinnen und Journalisten, aber solche Veranstaltungen wie die in Braunschweig zeigen, dass hier ein großes Interesse besteht. 


Dann warten wir einmal ab, ob - um im Bild der Veranstaltung zu bleiben - die Fische dann auch so bunt und zahlreich sind wie erhofft, was mir die Gelegenheit gibt noch einmal ein älteres Bild aus dem Fundus zu posten. 

Am "Great Barrier Reef", 2008 - manchmal reicht auch Schnorcheln...